Das steckt hinter der "Bruderschaft vom guten Tod" in Großschönbrunn

Freimaurer? Sekte? Geheimbund? Was hat es mit der "Bruderschaft vom guten Tod" aus Großschönbrunn auf sich? In dem Dorf ist fast jeder Mitglied.

von Uli Piehler

Die "Bruderschaft vom guten Tod" ist eine Institution in Großschönbrunn in der Marktgemeinde Freihung. Andernorts ist diese Vereinigung nahezu unbekannt. Dem Pfarrdorf mit seinen rund 600 Seelen hingegen hat die Bruderschaft einen sichtbaren Stempel aufgedrückt. Nicht erst in jüngster Zeit, sondern seit 300 Jahren. Anno 1725 wurde die Vereinigung gegründet.

Pfarrsekretärin Stephanie Lederer hat ein dickes Buch mit schwarzem Ledereinband dabei. Das Protokollbuch der Bruderschaft, mit der 1725 per Tinte und Federkiel geschriebenen Satzung, den ersten Beitrittserklärungen. Jedes Jahr kamen neue Mitglieder dazu und die Listen sind lang. Es ist quasi das Stammbuch des Ortes. Jede Familie kommt vor, alle sind aufgelistet - auch die Frauen.

Rund 600 Mitglieder

"Es sind etwa 600 Mitglieder dabei", sagt Lederer. "Genau kann man das nicht sagen, weil manche Dorfbewohner auch schon vor langer Zeit weggezogen sind. Da wissen wir gar nicht, ob die noch am Leben sind." Seit den 2000er Jahren sind die Mitgliedseinträge weniger geworden. Im vergangenen Jahr traten nur noch drei Personen der Bruderschaft bei, im Jahr zuvor waren es fünf. Die große Zeit scheint vorbei zu sein.

"Das ist schade", sagt Dominik Sachsenhauser. "Weil der Sinn und Zweck des Ganzen eben nicht vorbei ist." Bei der "Bruderschaft vom guten Tod" geht es um ein katholisches Gelübde. Die Mitglieder versprechen, sich mit dem Thema Sterben auseinanderzusetzen und sich dabei gegenseitig zu unterstützen - alles in der Hoffnung auf eine "gute Sterbestunde", soll heißen ein Sterben in Würde. "Das Thema Tod wird heutzutage leider viel zu oft ausgeklammert", hat Sachsenhauser festgestellt. Während früher Sterbefälle durch Riten und Zeremonien in der Gemeinschaft aufgearbeitet worden sind, werde das Sterben heute "outgesourct". Die Leute scheiden oft ohne vertraute Personen in Kliniken oder Heimen aus dem Leben, eine Aufbahrung findet nicht mehr statt. Irgendwann wird eine Urne geliefert und im engsten Kreis beigesetzt. Grabpflege erübrigt sich dann auch noch.

Jahresbeitrag 50 Cent

"Ich finde diese Entwicklung nicht gut", erklärt Sachsenhauser. Dass sich über Jahrhunderte Bräuche etabliert haben, wie die drei Trauertage, die Aussegnung, Sterberosenkränze, eine Beerdigung, an der die ganze Gemeinde teilnimmt, und ein großer Leichtrunk habe alles seinen Sinn. "So kann Trauer besser verarbeitet werden. Die Trauernden können zeigen, was der Verstorbene ihnen bedeutet hat und dass sie füreinander da sind." Bei der Bruderschaft gibt es Impulse für diese Trauerkultur, und zwar für einen unschlagbaren Preis. 50 Cent kostet die Mitgliedschaft pro Jahr.

Früher, da war die "Bruderschaft vom guten Tod" eine Einrichtung, die Großschönbrunn geprägt hat. Und einmal im Jahr war das deutlich sichtbar - am Feiertag Christi Himmelfahrt. An diesem Tag wird jedes Jahr das Bruderschaftsfest gefeiert. Es gibt dazu eine Prozession durch den Ort, wie an Fronleichnam. In der Vergangenheit holte die Pfarrei dazu das ganz große Besteck heraus, es gab bereits am Vortag Beichtsitzungen am laufenden Band, Andachten und Ablassversprechen. Heute verläuft die Feier etwas kommoder. Die Prozession am Vormittag des Feiertags ist allerdings geblieben.

Frühschoppen, Mittagessen

Das Bruderschaftsfest heuer soll wieder etwas Besonderes werden. Christi Himmelfahrt fällt auf Donnerstag, 29. Mai. Die Pfarrei Großschönbrunn hat den Regensburger Diözesanbischof eingeladen. "Wir hoffen, dass das ein tolles Gemeinschaftserlebnis wird", sagt Pfarrsekretärin Lederer. Schon wird über den Frühschoppen und ein Mittagessen für die Gäste aus nah und fern gesprochen. Wenn die Bruderschaft ruft, dann kommen meistens auch viele ehemalige Dorfbewohner.

Das Protokollbuch mit den 300 Jahre alten Papierseiten wandert jetzt erst einmal wieder in den Tresor der Pfarrei. Irgendwann holt Stephanie Lederer es heraus, um auf den hinteren Seiten einen neuen Namen hinzuzufügen. Die Geschichte der Bruderschaft vom guten Tod in Großschönbrunn ist immer noch ziemlich lebendig.

Hintergrund:

Hintergrund:

Bruderschaft vom guten Tod

  • Die Bruderschaft vom guten Tod ist eine religiöse Gemeinschaft, die ihre Wurzeln im 17. Jahrhundert in Rom hat.
  • Ihr Ziel ist es, durch ein intensives christliches Leben eine selige Sterbestunde zu erlangen. Dazu gehören regelmäßige Beichte, Kommunion, Andachten und gegenseitige Hilfe.
  • Die Mitglieder verpflichteten sich, dafür zu sorgen, dass niemand ohne die Sterbesakramente stirbt.
  • Im Bistum Regensburg gibt es nur noch sehr wenige Bruderschaften vom guten Tod.
  • Eine der ältesten ist die Bruderschaft in der Pfarrei Großschönbrunn, zu der Groß- und Kleinschönbrunn, Seugast, Weickenricht und Ölhof gehören. Sie wurde vor 300 Jahren gegründet.


Die Mitglieder der Bruderschaft beraten schon, wie das Jubiläum heuer gefeiert werden soll. In der Mitte Pfarrsekretärin Stephanie Lederer, rechts Dominik Sachsenhauser. 

 
Das originale Stammbuch der Bruderschaft aus dem Jahr 1725 wird im Tresor der Pfarrei Großschönbrunn verwahrt. 


Neuzugänge der Bruderschaft: Die Jahre 1792 und 1793 sind hier aufgeschlagen.


Aus dem Jahr 1944 stammt dieser Mitgliedszettel. Einen solchen bekommt bis heute jeder, der der Bruderschaft beitritt. 


Lauter Christi-Himmelfahrt-Daten: Immer an diesem Feiertag wird der Beitrag von 50 Cent bezahlt und der Empfang per Stempel bestätigt. 


Die Bruderschaft hat auch eine eigene Fahne. Sie ist beim Bruderschaftsfest natürlich dabei.